Angststörungen – Wenn Angst das Leben bestimmt
Angst kennt jeder Mensch. Sie gehört zu unserem Leben und ist zunächst einmal keine Krankheit, sondern ein lebenswichtiger Schutzmechanismus. Seit jeher versetzt sie unseren Organismus in Alarmbereitschaft, wenn Gefahr droht. Herzschlag und Atmung verändern sich, unsere Aufmerksamkeit steigt und der Körper bereitet sich darauf vor, zu fliehen, sich zu verteidigen oder einer Gefahr auszuweichen.Angst sorgt beispielsweise dafür, dass wir nicht unbedacht ins Feuer greifen, vor einem herannahenden Auto zurückweichen oder gefährliche Situationen meiden. Sie macht uns vorsichtig und mobilisiert Kräfte, die wir in bedrohlichen Situationen benötigen.
Problematisch wird Angst erst dann, wenn die Alarmanlage unseres Körpers immer häufiger anspringt, obwohl keine entsprechende Gefahr besteht – und wir zunehmend beginnen, unser Leben nach der Angst auszurichten.
1. Wann wird aus normaler Angst eine Angststörung?
Die Grenze zwischen normaler Angst und einer Angststörung lässt sich nicht allein daran festmachen, wie stark sich Angst anfühlt. Entscheidend ist vielmehr, ob Ängste übermäßig werden, länger anhalten und beginnen, unseren Alltag und unsere Lebensqualität deutlich zu beeinträchtigen. Vielleicht kreisen die Gedanken immer wieder um dieselben Befürchtungen. Man erledigt seine Arbeit, kümmert sich um die Familie und funktioniert nach außen weiterhin – innerlich ist man jedoch ständig mit Sorgen, möglichen Gefahren oder der nächsten Angstsituation beschäftigt. Andere Menschen beginnen zunehmend zu vermeiden: Sie fahren nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, meiden Menschenmengen, bestimmte Tiere, Orte oder Situationen oder verlassen im Extremfall kaum noch die eigene Wohnung. Auch bereits überwunden geglaubte Ängste können wieder auftauchen. Belastende Lebensereignisse, Erkrankungen, Todesfälle im persönlichen Umfeld, anhaltender Stress oder andere einschneidende Erfahrungen können alte Ängste erneut aktivieren oder triggern.
Eine Angststörung ist damit mehr als „viel Angst haben“. Die Angst beginnt zunehmend zu bestimmen, was wir denken, fühlen und tun. Hinzu kommt, dass wir heute einer nahezu ununterbrochenen Flut an Informationen ausgesetzt sind, die Ängste auslösen oder verstärken können. Ob während der Corona-Pandemie, angesichts von Kriegen, politischen und wirtschaftlichen Krisen oder anderen als bedrohlich empfundenen Entwicklungen: Über Nachrichtenportale, Fernsehen und Social Media erreichen uns solche Meldungen oftmals den ganzen Tag.
Unser Gehirn bekommt dadurch kaum Gelegenheit, aus diesem ständigen Alarm- und Aufmerksamkeitsmodus herauszukommen. Wer immer wieder mit bedrohlichen Bildern, Warnungen und negativen Zukunftsszenarien konfrontiert wird, kann zunehmend mit Anspannung, Sorgen und Ängsten reagieren. Auch eine solche dauerhafte mediale Belastung kann psychischen Stress erhöhen und Angstsymptome verstärken.
2. Angststörungen sind keine Seltenheit
Viele Betroffene haben zunächst das Gefühl, mit ihrem Problem allein zu sein. Tatsächlich gehören Angststörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen. Nach Daten des Robert Koch-Instituts war 2024 bei 8,1 % der gesetzlich versicherten Erwachsenen in Deutschland eine Angststörung ärztlich oder psychotherapeutisch dokumentiert mit zunehmender Tendenz. Dabei ist Angststörung nicht gleich Angststörung. Dazu gehören beispielsweise generalisierte Angststörungen, soziale Angststörungen, verschiedene Phobien sowie Panikstörungen.
Auch eine Panikattacke ist nicht automatisch eine Panikstörung. Eine Panikattacke kann einmalig oder gelegentlich auftreten. Bei einer Panikstörung treten hingegen wiederholt unerwartete Panikattacken auf. Häufig entwickelt sich zusätzlich die Angst vor der nächsten Attacke. Dadurch kann ein Kreislauf aus Angst, ständiger Beobachtung des eigenen Körpers und zunehmender Vermeidung entstehen.
3. Wie kann sich eine Angststörung bemerkbar machen?
Angst spielt sich keineswegs ausschließlich „im Kopf“ ab. Unser autonomes Nervensystem reagiert auf eine wahrgenommene Bedrohung und deshalb können sich Ängste auch durch intensive körperliche Symptome bemerkbar machen. Mögliche Beschwerden sind unter anderem Herzklopfen oder Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Schwindel, Atemnot oder ein Engegefühl, ein Kloßgefühl im Hals, Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, innere Unruhe und Schlafstörungen. Auch Konzentrationsprobleme, Appetitveränderungen und eine starke körperliche Anspannung können auftreten.
Auf psychischer Ebene können sich ständiges Grübeln, Gedankenkreisen, eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber möglichen Gefahren und das Gefühl zeigen, aus den eigenen Gedanken nicht mehr herauszukommen. Besonders belastend kann das sogenannte Vermeidungsverhalten werden. Situationen, die Angst auslösen könnten, werden zunehmend gemieden. Kurzfristig bringt das Erleichterung, langfristig kann sich dadurch jedoch der eigene Bewegungs- und Lebensradius immer weiter verkleinern. Aus einem „Ich gehe heute lieber nicht dorthin“ kann irgendwann ein „Ich kann dort nicht mehr hingehen“ werden.
4. Angst hat nicht immer nur eine psychische Dimension
Wenn Ängste oder panikartige Beschwerden neu auftreten, deutlich zunehmen oder ungewöhnlich stark sind, sollte nicht vorschnell davon ausgegangen werden, dass die Ursache ausschließlich psychischer Natur ist. Eine medizinische Abklärung kann beispielsweise sinnvoll sein, um Schilddrüsenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen des Blutzuckers oder andere körperliche Erkrankungen auszuschließen. Auch Medikamente sowie deren Neben- oder Wechselwirkungen können eine Rolle spielen.
Je nach individueller Situation kann darüber hinaus ein Blick auf die Nährstoffversorgung und den Stoffwechsel sinnvoll sein. Dazu können beispielsweise Vitamin B12, Folat, Vitamin D, Eisenstatus oder Magnesium gehören. Auch Vitamin B1 kann bei entsprechender Anamnese relevant sein. Ebenso können hormonelle Veränderungen das körperliche und psychische Wohlbefinden beeinflussen. Gerade während der Perimenopause und der Wechseljahre berichten manche Frauen erstmals oder verstärkt über innere Unruhe, Schlafprobleme oder Angstsymptome. Auch Schilddrüsenfunktion, Ernährung, chronischer Stress und Magen-Darm-Erkrankungen können im individuellen Gesamtbild eine Rolle spielen.
Genau hier liegt für mich ein wichtiger Teil einer ganzheitlichen Betrachtung: Nicht vorschnell nach der einen Ursache zu suchen, sondern zu fragen, welche körperlichen, psychischen und lebensgeschichtlichen Faktoren bei diesem Menschen zusammenkommen.
5. Was kann helfen, wenn die Angst zu groß wird?
Normale Angst müssen wir nicht behandeln, sie gehört schlicht zum Leben dazu. Wenn Ängste jedoch über längere Zeit bestehen, immer stärker werden oder beginnen, Alltag, Arbeit, Beziehungen und Lebensqualität einzuschränken, sollte man sich Unterstützung suchen. Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Je nach Ausprägung können auch Psychotherapie und bei bestimmten Angststörungen eine ärztlich begleitete medikamentöse Behandlung sinnvoll sein.
In meiner naturheilkundlichen Praxis interessiert mich zusätzlich die Frage: Gibt es körperliche Faktoren, die das Beschwerdebild begleiten oder möglicherweise verstärken? Dabei geht es nicht nur um Laborwerte. Gemeinsam schauen wir: Wann hat die Angst begonnen? Was war zu diesem Zeitpunkt im Leben los? Gab es ähnliche Phasen bereits früher? Welche Situationen verstärken die Beschwerden? Was lindert sie? Und welche körperlichen Symptome treten gemeinsam mit der Angst auf?
Was können Sie selbst tun?
Ein wichtiger Ansatz ist Bewegung. Leichter bis moderater Sport wie Schwimmen, Laufen, Nordic Walking, Fahrradfahren oder längere Spaziergänge kann helfen, körperliche Anspannung und Stress abzubauen. Gerade für Menschen mit Ängsten kann Bewegung gleichzeitig eine wichtige Erfahrung vermitteln: Mein Körper funktioniert. Mein Herz darf schneller schlagen. Ich kann mich belasten – und anschließend wieder zur Ruhe kommen. Regelmäßige Bewegung kann so auch dazu beitragen, wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln.
Ebenso wichtig sind bewusste Erholungsphasen. Meditation, progressive Muskelentspannung und insbesondere Atemübungen können dabei helfen, das vegetative Nervensystem wieder stärker in Richtung Ruhe und Regulation zu bringen.
Und manchmal bedeutet Selbstfürsorge auch ganz bewusst: abschalten, im wahrsten Sinne des Wortes. Handy, Fernseher und Nachrichtenportale dürfen auch einmal ausgeschaltet bleiben. Stattdessen können wir hinausgehen, Natur erleben, uns bewegen und Zeit mit Menschen, Kindern oder Tieren verbringen, die uns guttun. Theater, Musik oder Tanzen, ein gutes Essen, Freunde treffen, Sport treiben, mit dem Hund unterwegs sein, die Jahreszeiten bewusst wahrnehmen oder einfach einmal ein Eis genießen, all diese kleinen und großen Momente können helfen, den Blick wieder auf das Hier und Jetzt, auf Verbundenheit, Genuss und die schönen Seiten des Lebens zu richten.
Und wie kann ich Sie unterstützen?
In meiner naturheilkundlichen Praxis gehört dazu zunächst eine ausführliche Anamnese. Je nach individuellem Beschwerdebild können anschließend beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe, Schilddrüsenwerte, Stoffwechselparameter oder die hormonelle Situation betrachtet werden. Werden tatsächlich Mängel festgestellt, können diese gezielt ausgeglichen werden, anstatt Nahrungsergänzungsmittel lediglich auf Verdacht einzunehmen. Bestehen gleichzeitig Verdauungsbeschwerden, kann auch eine weiterführende Darmdiagnostik sinnvoll sein. Darm und Nervensystem stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in einem engen Austausch. Dabei geht es darum, vorhandene Darmbeschwerden und nachgewiesene Störungen gezielt zu behandeln und den Organismus insgesamt zu stabilisieren. Auch der Serotoninstoffwechsel kann Teil einer weiterführenden Betrachtung sein. Gerade hier ist jedoch wichtig, mögliche Medikamente mit einzubeziehen: Substanzen, die in den Serotoninstoffwechsel eingreifen, sollten insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva oder anderen serotonerg wirkenden Medikamenten nicht eigenständig eingesetzt werden. Mögliche Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden.
Neben der körperlichen Diagnostik können Hypnose, Atem- und Entspannungsverfahren sowie Meditation ergänzend eingesetzt werden. In meiner Praxis kommen je nach individueller Situation außerdem naturheilkundliche Verfahren wie Homöopathie oder Frequenztherapie zum Einsatz.
Und vor allem: Geben Sie der Angst nicht das letzte Wort.
Man muss sich nicht damit abfinden, dass Angst das eigene Leben immer kleiner macht. Holen Sie sich Stück für Stück Ihr Leben zurück. Denn je mehr Raum wir wieder für Nähe, Vertrauen, schöne Erfahrungen und Lebensfreude schaffen, desto weniger Raum geben wir der Angst, unser Leben zu bestimmen.
Hinter der Angst warten wieder Freiheit, Leichtigkeit und Lebensfreude. Gerne unterstütze und begleite ich Sie auf diesem Weg. Kontakt

[…] erhalten. Und schließlich darf die Seele nicht vergessen werden. Eine chronische Erkrankung kann Ängste, Wut, Trauer und Unsicherheit auslösen. Begleitende Gespräche, Entspannungsverfahren und […]